08.02.2011 - www.tagblatt.ch/ostschweiz
Kategorie: Generelle Medienberichte

Überlinger Druckkammer gerettet

8.2.2011: Druckkammern sind für verunfallte Taucher überlebenswichtig. Die nächste Kammer, die Taucher aus der Deutschschweiz benutzen können, steht in Überlingen am Bodensee. Bis vor kurzem war die Zukunft dieser Kammer ungewiss - jetzt will der Badische Tauchsportverband eine neue kaufen.

ÜBERLINGEN. Zwei Taucher verunglücken Ende Januar im Walensee. Beim Aufstieg aus 55 Metern Tiefe verwechselte der eine die Lungenautomaten. In der Folge atmete er in einer Tiefe von 21 Metern ohne es zu merken reinen Sauerstoff statt fünfzigprozentigen ein. Eine Verwechslung, die in vielen Fällen tödlich endet. Nach rund sieben Minuten geschah in zwölf Metern das Unvermeidliche: «Ich sah etwas Ähnliches wie einen Blitz, spürte einen Stromschlag und wurde dann bewusstlos», erzählt der Verunfallte.

Glückliches Ende

Sein Begleiter reagiert umgehend. Obwohl beide noch 22 Minuten in der Tiefe bleiben hätten müssen, um gefahrlos aufzusteigen, leitete der Begleiter einen Notaufstieg ein, überdehnte den Kopf des Bewusstlosen, damit die Luft aus der Lunge entweichen konnte und brachte ihn sicher zur Oberfläche. Mit einem Helikopter der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) werden die beiden in einem rund 40minütigen Flug in die Helios-Klinik nach Überlingen am Bodensee geflogen. Diese verfügt über eine lebensrettende Dekompressionskammer. In dieser Kammer wird ein Druck von 2,8 bar erzeugt, was einer Wassertiefe von 18 Metern entspricht. Fünf Stunden sassen die beiden verunfallten Taucher in der Kammer. Der Druck wurde kontinuierlich reduziert, bis er an den Umgebungsdruck angeglichen war. Nach letzten Checks konnten die beiden das Spital wieder verlassen. Sie hatten Glück: Beide tragen keine bleibenden Schäden davon.

Bewilligung läuft ab

Die Dekompressionskammer im Überlinger Spital stand bis vor kurzem vor dem Aus. Ende Februar läuft die TÜV-Bewilligung für den Betrieb ab. Gebaut wurde die Deko-Kammer, wie sie kurz genannt wird, in den 1970er-Jahren, seit 1985 ist sie im Einsatz. Betrieben wird sie ehrenamtlich von Mitgliedern des Badischen Tauchsportverbands (BTSV).

Zukunft gesichert?

Doch was geschieht Ende Februar? «Wir versuchen, vom TÜV eine Sondergenehmigung zu erhalten, um wenigstens Tauchunfälle weiterhin behandeln zu können», sagt Günter Hoffmann, der als einer von drei Piloten für den Betrieb der Deko-Kammer zuständig ist. Allerdings wäre dies nur eine vorübergehende Lösung. Im Oktober des vergangenen Jahres beschloss die BTSV-Mitgliederversammlung in Offenburg, eine neue Druckkammer zu kaufen: «Die Kosten schätzen wir auf rund 350 000 Euro. Davon fehlen aber immer noch etwa 50 000», erklärt BTSV-Präsident Peter Maier.

Bisher kein Geld aus der Schweiz

Derzeit versucht Maier alles, um die Finanzierung sicherzustellen. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag für die medizinische Versorgung von Tauchern aus der Schweiz. Rund die Hälfte der verunglückten und in Überlingen behandelten Taucher verunfallten in Schweizer Gewässern. Nach der Schliessung oder Stilllegung der Deko-Kammern in Basel und Zürich ist Überlingen die einzige Kammer, auf der die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) für die Deutschschweiz basiert. Als Varianten ñ allerdings mit längeren Flugzeiten ñ stehen lediglich noch Genf oder das Bundeswehr Krankenhaus in Ulm auf der Liste. Bisher zahlten hiesige Tauchverbände keinen Rappen an die Deko-Kammer im deutschen Überlingen. Dies könnte sich im Verlaufe dieses Jahres aber ändern. Der Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV) hat in seinem Budget erstmals einen Beitrag für die Deko-Kammer aufgenommen. «5000 bis 6000 Franken als Sponsorbeitrag», wie Heinz Binkert, Chef der Tauchkommission des SUSV sagt.

Anmerkung der FTU: An der Delegiertenversammlung der FTU Mitte März 2011 wurde von den Delegierten der Betrag von CHF 5`000.00 für die neue Druckkammer Überlingen gesprochen. Wir danken an dieser Stelle dem Tauchclub Subair, welcher bei seiner Auflösung einen nahmhaften Betrag an die FTU, mit dem Zweck, dieses in die Tauchunfallverhütung zu investieren, überwiesen hatte.

Sechs Monate Bau- und Testzeit

«Wir rechnen mit einer Bau- und Testzeit von rund sechs Monaten», sagt Günter Hoffmann. Wenn die Mitglieder des BTSV am 19. März dem Kreditantrag ihres Vorstandes zustimmen und die Finanzierung bis dann definitiv geregelt ist, könnte die neue Deko-Kammer in Überlingen im Herbst dieses Jahres ihren Betrieb aufnehmen.

 

 

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Warum nicht mehr Informationen?

Die FTU wird immer wieder mit der Frage konfrontiert, wieso sie nicht mehr Details von Tauchunfällen publizieren. Auch wirft man ihr vor, sie würde "aus Bequemlichkeit" hinter dem Datenschutz verstecken und "auf den Informationen hocken".

Leider sind der Datenschutz, aber noch vielmehr das Amtsgeheimnis und das Arztgeheimnis die grossen Hindernisse, die kaum zu überwinden sind. Zudem hat die FTU als Verein des privaten Rechts keinerlei Recht auf Einsicht in behördliche Akten (Polizei, Gerichte, Gutachter etc.) und wird auch nicht von Behörden über Tauchunfälle informiert. Die Lösung dieses Problems funktioniert nur über die Entbindung von den verschiedenen Geheimnissen durch den Betroffenen bzw. bei einem Toten durch dessen Verwandten - sofern überhaupt möglich.

Aus diesem Grund können wir gemeinsam nur eines tun: Alle Taucher aufrufen, dass sie nach einem Tauchunfall den Hergang mit allen Details der FTU melden und diese gleichzeitig ermächtigen, den Sachverhalt in geeigneter Form zu publizieren.


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